Im öffentlichen und privaten Grün sind es im Wesentlichen zwei Säugetiere, die als Schaderreger auftreten: die Wühlmaus und der Maulwurf. Dabei ist nur die Wühlmaus tatsächlich als Schädling zu bezeichnen, weil sie durch Wühlen und Fraß von Pflanzenwurzeln Schäden verursacht. Der Maulwurf hingegen schädigt keine Pflanzen, er ernährt sich ausschließlich von tierischer Beute und ist daher nützlich – aber wer mag schon Erdhaufen auf Rasenflächen und unterwühlte Wege tolerieren? Im Haus- und Kleingarten wird beiden Tieren nachgestellt – doch Vorsicht, es gibt biologische und gesetzliche Regeln zu beachten, um erfolgreich und legal zu agieren.
Schadbild: Durch den Wurzelfraß der Wühlmaus welken geschädigte Pflanzen und sind im Endstadium ohne größeren Widerstand aus dem Boden herauszuziehen. An den verbleibenden Wurzelresten finden sich klar erkennbare Nagespuren. Stauden werden in die Gänge gezogen und verschwinden unterirdisch. Der Maulwurf dagegen hebt durch seine Wühltätigkeit Pflanzen aus dem Boden, die aber nicht angefressen sind. Beide Arten legen ihre Gänge von direkter Oberflächennähe bis zu Metertiefe in Etagen an.
Mit zahlreichen verschiedenen Ansätzen wurde versucht, die Gangsysteme von Wühlmaus und Maulwurf zu unterscheiden. Am zuverlässigsten ist die Differenzierung nach dem Gangprofil, das jeweils dem Körperquerschnitt entspricht und als „Fingerprobe“ ermittelt werden kann: die Gänge der Wühlmaus sind stets hoch-oval, beim Maulwurf quer-oval.
Biologie: Auch wenn die augenfälligsten Hinweise auf das Vorhandensein der wühlenden Tiere ähnlich sind, so kann und muss klar zwischen den Verursachern unterschieden werden.
Die Wühlmaus (Schermaus, Arvicola terrestris) ist ein Nagetier, das in zwei unterschiedlichen Ökotypen auftritt, die sich im Verhalten unterscheiden: einem an Gewässer gebundenen und einen „terrestrischen“ Typ, der überall von Gewässern entfernt auftritt. Als Nahrung wird ein breites Spektrum unterirdischer Pflanzenteile wie Wurzeln, Knollen, Rüben und Zwiebeln gefressen. Die Tiere sind winteraktiv und legen dazu einen Vorrat aus Wurzeln, Zwiebeln und Knollen an.
Der Körperbau der Wühlmaus ist an das unterirdische Leben angepasst: Der mit kräftigen Beinen ausgestattete Rumpf wirkt gedrungen. Das hellbraune bis schwarze Fell ist dicht, die Ohren sind darin fast verborgen. Die Augen sind klein. Dagegen sind die Nagezähne kräftig entwickelt. Sie dienen nicht nur zum Zernagen der Nahrung, sondern auch als Grabwerkzeuge.
Aufgrund der hohen Vermehrungsfähigkeit zeigen Wühlmäuse in Süddeutschland und Südeuropa eine unregelmäßige Rhythmik im Auftreten, die jeweils in Massenvermehrungen gipfelt. So können lokal erhebliche Probleme in „Mäusejahren“ entstehen. Außerhalb der Paarungs- und Aufzuchtzeit sind Wühlmäuse Einzelgänger, fängt man in dieser Zeit den Übeltäter, ist das Problem gelöst.
Der Maulwurf (Talpa europaea) ist als enger Verwandter von Fledermaus und Spitzmaus ein Raubtier, das sich von im Boden lebenden Würmern, Insekten und deren Larven, seltener von Schnecken, Amphibien sowie Mäusen ernährt. Die unterirdischen Gänge werden mit den typischen kräftigen, zu Grabschaufeln umgebildeten Händen angelegt. Es wird eine erhebliche Fraßleistung erbracht, denn der Maulwurf muss täglich sein eigenes Körpergewicht zu sich nehmen. Daher ist das Vorkommen des Maulwurfs ein Zeichen für ein aktives Bodenleben.
Die Bundesartenschutzverordnung stuft den Maulwurf als eine besonders geschützte Tierart ein, die unter keinen Umständen ohne entsprechende Ausnahmegenehmigung bekämpft werden darf, auch nicht einzelne Tiere im Hausgarten. Ausnahmegenehmigungen erteilen auf Antrag die Unteren Naturschutzbehörden, sofern schwerwiegende Schäden abzuwenden sind.
Gegenmaßnahmen: Wühlmäuse dienen einer Vielzahl von Raubtieren als Nahrungsgrundlage, so dass die Schonung und Förderung von natürlichen Feinden wie Wiesel, Füchsen, Greifvögeln und Eulen sowie die Haltung von Katzen und Hunden einen regulierenden Einfluss auf die Schaderreger-Populationen haben können. Das Anpflanzen bestimmter Pflanzen, die angeblich Wühlmäuse vertreiben (Kaiserkrone, Knoblauch, Narzissen, Wolfsmilchgewächse) ist dagegen unwirksam. Zwar werden die genannten Pflanzen tatsächlich selten gefressen, aber eine abschreckende Flächenwirkung geht nicht von ihnen aus. Gleiches gilt für andere Hausmittel wie das Einbringen in die Gänge von Kaffeesatz, Menschen- oder Hundehaaren, Hundekot, verschiedenen Jauchen oder Buttermilch, Fisch und Thuja-, Rosen- oder Nussbaumtrieben. Die Wühler bauen schnell „Umleitungsgänge“.
Der Werbung nach sollen Vibration oder Schall Wühlmäuse und Maulwürfe vertreiben, aber alle exakt getesteten Verfahren – vom Eingraben von Flaschen ohne Boden bis zu im Handel angebotenen solarbetriebenen Schallerzeugern – hatten nachweislich keinen vergrämenden Einfluss auf die Tiere. Ganz im Gegenteil fanden sich in den Tests sogar neu angelegte Maulwurfsnester direkt neben den Vergrämungsstäben.
Wertvolle Einzelpflanzen können vor Wühlmausfraß gut durch die Pflanzung in einem Drahtkorb geschützt werden. Die Maschenweite des verwendeten Drahtgewebes muss dabei geringer als 16 mm sein.Auf großen Flächen wird gewöhnlich sowohl der Wühlmaus als auch dem Maulwurf mit Fallen nachgestellt. Sie müssen nach oben hin mit z.B. Grassoden o.ä. möglichst licht- und zugdicht abgedeckt werden. Ein Tipp: Wühlmäuse reagieren sehr empfindlich auf Fremdgerüche; es hat sich bewährt, neue Fallen deshalb vor der Nutzung etwa 7 Tage in Komposthaufen o.ä. einzugraben, um ihnen Bodengeruch zu verleihen und auch bei der technischen Wartung kein Mineralöl zu verwenden. Wer im Handel erhältliche Lebendfallen einsetzt, muss wissen, dass diese aus Tierschutzgründen zweimal täglich kontrolliert werden sollten.